Sitzen auf Friedhof

Entstellung des sinns

wir wissen nicht, wann die zeit angefangen hat; eigentlich wissen wir gar nichts über unsere herkunft, den ursprungsort, wenn es ihn denn gibt. wir wissen etwas über das was, das wie – nichts über das warum, kein wozu und wieso; wieso auch? wir irren umher in dem alltäglichen wahn der existenz. arbeiten: dienst an den gierigen egos. essen, schlafen – next day. zwischendurch vergnügen wir uns, brauchen ablenkung und ausgleich. aber: tun wir etwas für das ganze? oder leben wir nur vor uns hin? manche handeln so, wie sie es für richtig befinden, andere handeln, als ob sie es nicht besser wüßten. weil der sinn fehlt? erinnerungen schießen durchs bewußtsein. momente des glücks, des schmerzes – wo sind die momente des sinns? sein ist genauso ein infiniter regress wie sinnfindung. es wird kein ende geben. aus der vogelperspektive sind wir parasit: die machine brennt alles nieder, vernichtet ihre eigene existenzgrundlage. der planet wird das nicht ewig mitmachen. wenn wir nicht existieren wollen, wird das leben woanders weitermachen – auch ohne menschen. wir sind anscheinend unfähig, den organismus der gesellschaft so zu organisieren, dass es ein wozu gibt und das warum nachwirken kann. der anfang war ein logischer, meint hegel. das ende muss ein ethisches sein, meine ich. Moralisch in form von unabhängigkeit: Von religion, glauben, einer einfältigen idee von dualismus. Die schwarzweißbrille. Inklusive materialismus. wir wenden uns nach außen, um etwas zu finden. Doch die antwort befindet sich bereits in unserem ereignishorizont – die einzig zulässige perspektive. die ehrliche auseinandersetzung mit der welt – innen wie außen – fördert den sinn zutage. nichts ist vorherbestimmt, aber das vorher bestimmt das nachher. Ad hoc. dazwischen sind wir mit unseren einfaltigen entscheidungen: wir sind die richter über diese welt, die verantwortung ablehnend. vernunft ohne ethik ist bloße heuchlerei und existenz negierender oppurtunismus.